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BPAV Aktuell

Fachkräftemangel und krankheitsbedingte Fehlzeiten

Die Wirtschaft in Deutschland brummt. Die Arbeitslosenzahlen nehmen ab und werden durch die zunehmende demografische Entwicklung in den nächsten Jahren weiter sinken. Der zunehmende Fachkräftemangel und die damit verbundene Arbeitsverdichtung führen in vielen KMU schon jetzt zu einer Anhäufung von krankheitsbedingten Fehlzeiten.

Durchschnittsalter in den Betrieben steigt

Neben dem Fachkräftemangel steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften in KMU kontinuierlich an. Ältere Mitarbeiter müssen ein höheres Arbeitspensum bewältigen und die jüngeren Mitarbeiter die in die neuen Positionen hineinwachsen sollen sind oftmals den Herausforderungen noch nicht im vollen Umfang gewachsen. Oftmals fehlt es am grundlegenden Wissen, dass die älteren Mitarbeiter über Jahre aufgebaut haben.

Zunehmende Digitalisierung führt zu keiner Linderung

Entgegen den Erwartungen, dass durch die zunehmende Digitalisierung Arbeitserleichterungen für die Mitarbeiter geschaffen werden, führt zunehmende Digitalisierung zu erhöhten Stress. So hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf Basis einer Repräsentativumfrage „Gute Arbeit 2016“ untersucht, ob Digitalisierung zu einem erhöhten Stress führt. 69 % aller Digital arbeitenden Mitarbeiter gaben an, dass Sie sich ihren Aufgaben nicht mehr an im angemessenen Zeitrahmen widmen können und das zu zunehmendem Stress führt. 60 % bemängelten zunehmende Multitaskingsanforderungen. Dazu gesellen sich noch andere Aspekte, wie ein gestörtes Arbeitsumfeld oder Probleme mit Vorgesetzten. Dann ist eine Bournout-Diagnose nicht mehr weit wie in einer Untersuchung der DAK in 2015 nachgewiesen wurde. Demnach sind Fehlzeiten durch psychische Belastung in den letzten Jahren und 300 % gestiegen. Nach aktuellen Schätzungen machen diese Erkrankungen 17 % des gesamten Krankenstandes aus.

DGB-Index Gute Arbeit

http://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++d638e0f8-154f-11e8-ad9b-52540088cada , DGB, 19.02.2018

Präventionsgesetz soll helfen

Das 2016 verabschiedete Präventionsgesetz sollen dem beschriebenen Trend entgegenwirken. Das Gesetz beinhaltet Maßnahmen im Bereich Prävention Gesundheitsförderung und Früherkennung von Krankheiten. Unabhängig wurde bereits 2004 das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement (BEM) im Sozialgesetzbuch verankert. Danach sind Arbeitgeber verpflichtet langfristig erkrankten Mitarbeitern ein betriebliches Wiedereingliederungsmanagement anzubieten. Gerade in KMU ist das noch wenig gelebte Praxis. Ddies liegt insbesondere daran, dass es an Know-how und qualifiziertem Personal fehlt. In Zukunft kann dies für KMU´S zu erheblichen Mehrbelastungen führen, wenn z.B. die Krankheit eines Arbeitnehmers fortschreitet und die betreffende Stelle faktisch länger als notwendig unbesetzt bleibt. Mehren sich diese Fälle in einem Unternehmen und sollen die Lücken durch die verbliebenen Mitarbeiter ausgeglichen werden, ist eine nächste Krankheitswelle absehbar. Neubesetzungen sind wie von uns bereits in anderen Beiträgen beschrieben erst einmal zeitaufwendig. Gleichfalls muss der neue Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum wieder eingearbeitet werden, bis er das Know-how des bisherigen Kollegen erreicht hat.

Derzeit werden die Kosten für krankheitsbedingte Ausfälle in deutschen Unternehmen auf rund 130 Milliarden € jährlich geschätzt..

Entwicklung der Abwesenheitstage je Beschäftigtem

http://www.dgb.de/themen/++co++faa10a60-cf90-11e7-b297-52540088cada , DGB, 22.11.2017

Care Management als Lösung

Unternehmen in der USA nutzen daher bereits seit Jahren sogenannte Employee-Assistance-Programme. Diese Programme dienen dazu, Mitarbeiter bei beruflichen und privaten Problemen qualifiziert zu beraten. So erfolgt z.B. bei einer Krankheit eine persönliche Begleitung des Arbeitnehmers durch einen Case Manager. Grundlage ist dabei die qualifizierte Beratung durch ausgebildete Fachkräfte und der Unterstützung im generellen Genesungsprozess und der Reintegrierung

Wird im Laufe des Verfahrens festgestellt, dass eine Wiedereingliederung nicht mehr möglich ist und es zu einer dauerhaften Erwerbsminderung oder Invalidität führt, erhält der betroffene Arbeit-nehmer eine entsprechende Absicherung durch den Arbeitgeber.

Diese Lösung ist ein zusätzlicher Vergütungsbaustein und kann als weiterer Mitarbeiter-Benefit vom Unternehmen angeboten werden. Die Lösung trägt zur weiteren Stärkung des Employer Branding bei. Interessanterweise sind diese Lösungen in KMU bis heute noch wenig angekommen

Diese Situation ist umso überraschender, da die gesetzliche Rentenabsicherung im Durchschnitt bei einer vollen Erwerbsminderung 776 € und bei einer teilweisen Erwerbsminderung nur 503 € beträgt. Dies führt dazu, dass trotz voller Erwerbsminderung sich die Zahl derer, die Leistungen aus der gesetzlichen Grundsicherung benötigen, von 2003-2015 sich mehr als verdreifacht hat.

Der Sozialverband VdK hat die Erwerbsminderungsrente bereits zu einem Armutsrisiko erster Güte stilisiert. So gehen Arbeitnehmer wegen einer schweren Krankheit oder Behinderung im Schnitt bereits mit 50 Jahren in Erwerbsminderungsrente. Diese Mitarbeiter müssen damit rechnen jahrzehntelang in prekären Lebensverhältnissen zu leben.

Employer Branding Stärken Fehlzeiten verringern

Fürsorgliche KMU`s können mit einem entsprechenden Angebot an ihre Mitarbeiter die Attraktivität Ihres Unternehmens spürbar erhöhen.

Der Markt bietet in diesem Bereich bereits betriebliche Einkommenssicherungskonzepte an, die eine kollektiven Absicherung ganzer Belegschaften vorsehen. Diese sind kostengünstig und einfach zu verwalten. Gleichfalls liefern sie das professionelle Care Management gleich mit.

Vorankündigung

Wie eine solche Lösung konkret für Unternehmen aussehen kann, stellen wir in unserem Webinar am 17.04.18 10:00 bis 10:45 Uhr vor.

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